Igel

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Igel

Vorfahren und Verwandte, Körperbau, Sinnesorgane, Ernährung, Fortpflanzung und Aufzucht, Winterschlaf, Gefahren, Legenden


 

Vorfahren und Verwandte  
Die Igel gehören zu den ältesten Insektenfressern, die wir kennen. Es gab sie schon vor 35 Mio. Jahren, allerdings die meisten noch ohne Stacheln. Es waren sogenannte Haarigel, die über die ganze Welt verbreitet waren. Heute sind die meisten Arten ausgestorben, es existieren nur noch wenige in Südostasien. Äußerlich sehen sie mit dem dichten Fell und dem langen, nackten Schwanz eher wie Ratten aus, sind aber vom inneren Körperbau und den Zähnen her echte Igel.
Die sogenannten Kleinohrigel sehen wie der bekannte Igel aus, mit Stachelfell, kurzem Schwanz und kurzen Beinen. Zu ihnen gehören:

Europäischer Igel: (Erinaceus europaeus):
Er wird auch Braunbrust- oder Westigel genannt. Die Körperlänge beträgt 35-30 cm mit 2,5 cm Schwanz. Es gibt ihn in vier Unterarten und in verschiedenen Farbvarianten.

Weissbrustigel (Erinaceus roumanicus):
Er wird auch Ostigel genannt, da er vor allem im östlichen Europa vorkommt. Er unterscheidet sich vom Westigel hauptsächlich durch den weißen Fleck auf der Brust.

Vierzehenigel haben größere Ohren und längere, dünnere Beine als normale Igel und nur vier Zehen an den Hinterpfoten. Sie sind gute Läufer und ziemlich lebhaft. Sie leben in Afrika und ernähren sich von Insekten.

Ohrenigel bewohnen trockene, heiße Wüsten und Halbwüsten in Afrika, Asien und Südosteuropa. Die großen Ohren dienen vor allem zur Kühlung, da das zirkulierende Blut Wärme an die Umgebung abgeben kann.

Wüstenigel sind größer, plumper und kurzbeiniger als Ohrenigel und ihre Ohren sind nicht ganz so groß. Sie leben in Nordafrika, Arabien und Irak in trockenen, heißen Gebieten.
 
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Körperbau  
Die Größe des Igels variiert je nach Region zwischen 22-35 cm. Dabei gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, Weibchen werden so groß wie Männchen. Durchschnittlich sind britische Igel und Igel in Nord- und Osteuropa kleiner und leichter als in Mittel- und Südeuropa.
Das Gewicht hängt sehr von der Jahreszeit ab. Im Frühjahr nach dem Winterschlaf ist ein Igel nur Haut und Knochen und wiegt nur noch ca. 400 g. Am Ende des Sommers kann er bei gutem Futterangebot durchaus 1200 g wiegen.
Die Beine des Igels sind etwa 10 cm lang. Sie werden aber nur ausgestreckt, wenn der Igel rennt und große Schritte macht. Normalerweise geht er in den Knien gebeugt, so daß die Beine fast völlig unter den Stacheln verschwinden. Das ist energiesparender, weil er nicht sein gesamtes Gewicht hochstemmen muß. Igel sind Sohlengänger, d.h. sie treten mit dem gesamten Fuß auf. Sie bevorzugen als Bewegung ein gemächliches Laufen und können ziemlich gut klettern, aber nicht springen oder auf den Hinterbeinen sitzen.
Das Fell des Igels ist sehr kurz. Da er Winterschlaf hält, bekommt er keinen Winterpelz, sondern wechselt das Haar durchgehend. Die Fellpflege besteht aus Kratzen mit den Hinterbeinen und Wischen mit den Vorderpfoten im Gesichtsbereich. Die Haut des Igels sitzt sehr locker. Er kann sich deshalb flach drücken und auch durch enge Spalten kriechen. Die Stacheln sind Haare in abgewandelter Form. Sie bestehen aus Keratin und sind 2-3 cm lang und 2 mm dick. Sie sind zwar hohl zur Gewichtsminderung, haben aber stabile Wände. Die Stacheln federn auch Stürze ab. Am Ende jedes Stachels sitzt ein Muskel, so daß die Stacheln aufgestellt werden können. Die Muskelkappe auf dem Rücken kann sich durch einen Ringmuskel zusammenziehen wie eine Kordel bei einem Beutel. Kopf und Beine verschwinden tief in der Muskelhülle. Diese Haltung kostet nur sehr wenig Energie, so daß der Igel ohne Probleme stundenlang ausharren kann.
Die Zähne sind spitz und scharf, damit der insektenfressende Igel die Panzer der Käfer aufbeißen kann. Auch Schneckenhäuser oder Eier sind kein Problem. Die Backenzähne haben keine breiten Mahlflächen und können die Nahrung nicht zerkauen, sondern nur zerdrücken.
Der Magen ist für die Größe des Igels sehr groß, da er bei großem Nahrungsangebot viel fressen muß als Ausgleich für magere Zeiten. Da der Igel nicht kauen kann, produziert der Magen sehr starke Magensäure, um die Nahrungsbrocken aufzuschließen.

 
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Sinnesorgane  
Der Igel ist ein Nachttier und deshalb besonders mit Sinnen ausgestattet, die das Orientieren in der Dunkelheit ermöglichen.
Das wichtigste Sinnesorgan beim Igel ist die Nase. Sie wird vom Igel stets feucht gehalten, um die Duftstoffe besser aufnehmen zu können. Mit der Nase ortet er seine Nahrung, wittert Feinde und erkennt Artgenossen oder Jungen am Geruch.
Das Jacobsonsche Organ liegt zwischen Rachen- und Nasenhöhle. Es ist beim Igel gut ausgeprägt und dient zur besonders feinen Wahrnehmung von Gerüchen. Dieses "Flehmen" kommt bei vielen Tieren vor.
Das Gehör ist sehr empfindlich. Einen Käfer kann der Igel gut am Laufgeräusch erkennen. Auch Spannweite des Hörspektrums ist größer; Igel hören bis zu 45 kHz (Mensch: 20 kHz). Dabei scheinen Igel dumpfe, brummende Töne als angenehmer zu empfinden.
Als Nachttier sind die Augen nicht besonders gut. Im Vergleich zum Menschen sieht der Igel weniger scharf und weit. Außerdem ist er beinahe völlig farbenblind, da er als reines Nachttier für Farben keine große Verwendung hat.
Im Gegensatz zu anderen Nachttieren hat der Igel keine langen Tasthaare. Tasteindrücke nimmt er fast nur mit der Schnauze auf, die einige kurze Haare besitzt.
Der Geschmack scheint beim Igel keine große Rolle zu spielen, da er so ziemlich alles frißt, was er kriegen kann.
 
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Ernährung  
Igel sind beim Fressen nicht sehr wählerisch. Das können sie sich auch nicht leisten. Wer vor dem Winterschlaf nicht genug Speck ansetzt, stirbt. Er frißt eigentlich alles, was er an tierischer Nahrung finden kann.
Da der Igel hauptsächlich Insekten frißt, nimmt er Pflanzenkost eigentlich nur auf, wenn sie an seiner Beute hängt. Chitin aus Käferpanzer kann der Igel nicht verdauen, aber es hat die Funktion von Ballaststoffen im Darm. Vitamin C kann der Igel selber produzieren und muß es nicht mit der Nahrung aufnehmen.
Die Hauptnahrung des Igels sind Insekten, Würmer, Schnecken und gelegentlich Eier oder nestjunge Kleinsäuger, auch Aas wird gefressen.
 
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Fortpflanzung und Aufzucht  
Mit 9-11 Monaten wird der Igel fortpflanzungsfähig. Die Paarungszeit beginnt im April nach Aufwachen aus dem Winterschlaf und dauert bis Juli oder August. Das Weibchen wehrt sich zunächst gegen das Männchen und die beiden umkreisen sich stundenlang im sogenannten Igelkarussell. Schließlich kommt es zur Begattung. Dabei legt die Igelin die Stacheln an und streckt die Hinterbeine aus, damit das Männchen nicht verletzt wird. Dabei bleibt im Weibchen ein Begattungspfropf zurück, aus Drüsensekreten des Männchens gebildet, damit das Weibchen nicht noch von einem anderen Männchen befruchtet werden kann.
Die Tragezeit dauert 5-6 Wochen. Gelegentlich werden auch zweimal Junge geboren. Die 2-10 Jungtiere sind 5,5-9 cm lang und wiegen 12-25 g. Augen und Ohren sind geschlossen, Haare sind noch nicht vorhanden. Die Haut ist bei der Geburt durch Wasser sehr aufgequollen, so daß die bereits vorhandenen Stacheln das Muttertier bei der Geburt nicht verletzen können. In den Stunden nach der Geburt schwillt die Haut ab, und die Stacheln treten hervor. In der dritten Woche öffnen sich Augen und Ohren. Fell und Stacheln sind gut entwickelt. Mit vier Wochen verlassen die Jungen das Nest und folgen der Mutter bei der Nahrungssuche. Sobald die Jungen selbständig sind, werden sie von der Mutter verjagt. Oft bleiben die Geschwister noch etwas zusammen und verbringen gelegentlich auch den ersten Winter zusammen.
 
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Winterschlaf  
Im Herbst, wenn die Nahrung knapper und das Wetter schlechter wird, sucht sich der Igel einen Platz für seinen Winterschlaf. Dazu nimmt er entweder einen Platz unter einer Hecke oder einem Gestrüpp, aber auch Kaninchenbauten, Laubhaufen oder im Inneren von Scheunen. Das Nest wird aus Laub, Moos und Gräsern gebaut. Der Igel schichtet es zu einem Haufen, kriecht hinein und dreht sich um die eigene Achse, bis ein Hohlraum entstanden ist. Die Blätter werden von den Stacheln in eine Richtung gekämmt, so daß sie schuppenartig übereinander liegen und gut gegen Kälte und Durchzug isolieren. Im Nest ist es immer über 0° C, auch bei starkem Frost.
Je nach Wetterlage beginnt der Kälteschlaf meistens im November. Dabei gehen wohlgenährte Igel eher schlafen. Schwächere Igel und Jungtiere versuchen bis zuletzt, sich noch rettende Fettreserven anzufressen. Den Auslöser für den Winterschlaf scheinen längere Abschnitte mit einer Tagesdurchschnittstemperatur von 8-10° C zu sein. Vor dem Einschlafen fastet der Igel ein paar Tage, um seinen Darm zu entleeren.
Die Körpertemperatur im Winterschlaf beträgt ca. 10° C. Wenn es zu kalt wird und der Igel zu erfrieren droht, wacht er wieder auf. Das Herz bei einem schlafenden Igel schlägt statt 180 nur noch 20 mal pro Minute, die Atemzüge sinken auf 1-10 pro Minute. Igel schlafen eingeigelt, damit sie nicht von Feinden überrascht werden können.
Wenn die Temperatur zu kalt wird, der Igel gestört wird oder es wärmer wird, wacht der Igel auf. Seine Körpertemperatur steigt auf über 30°C an. Sollte sein Nest beschädigt sein, baut er sich ein neues, er repariert das alte nicht. Aber er bemüht sich, wieder einzuschlafen, bis wärmere Frühlingstage ihn endgültig wecken und die Körperfunktionen wieder Normalwerte haben.
 
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Gefahren  
Natürliche Feinde:
Mit einem ausgewachsenen Igel wird vermutlich nur ein Dachs fertig, da er lange Krallen hat und seine dicke Haut gegen die Stacheln recht unempfindlich ist. Einzelne Hunde haben es gelernt, Igel mit den Pfoten aufzurollen. Kranke oder junge Igel werden schon häufiger von Mardern oder Füchsen erbeutet. Gefährlicher sind da schon große Raubvögel, da ihre Klauen gegen die Stacheln unempfindlich sind und sie den Igel von der Bauchseite her aushöhlen können. Die meisten ernsthaften Feinde sind allerdings vom Aussterben bedroht und können nicht viel zur Igeldezimierung beitragen.
Schlimmer trifft den Igel schlechtes Wetter. Bei längeren Regenperioden können nestjunge Igel ertrinken und erwachsene Tiere finden nicht mehr genug Nahrung. Auch der Winterschlaf fordert seine Opfer bei nicht genug Fettreserven. Erwacht der Igel und findet nicht sofort etwas zu fressen, kann er aufgrund seiner Ausgezehrtheit nicht mehr überleben.
Der schlimmste Feind des Igels sind Autos. Viele Tausende von Igeln werden jedes Jahr überfahren.
Auch die Zerstörung des Lebensraumes ist ein Problem. Als Kulturfolger fühlt er sich in den Gärten der Menschen recht wohl, nimmt aber häufig mit der Nahrung Pestizide und andere Umweltgifte auf, die ihn schwächen und für Krankheiten anfällig machen.
Einem gesunden Igel machen seine vielen Parasiten nichts aus, bei einem geschwächten Igel können die Massen an Flöhen, Zecken und Milben, die ein Igel normalerweise mit sich herumträgt, gefährlich werden. Meistens hat ein Igel Würmer, und er kann sich diverse Krankheiten einfangen. Wäre er nicht so zäh, hätte der Igel ein ernsthaftes Problem.
 
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Legenden  
Gelegentlich wird berichtet, daß der Igel immun gegen Schlangengift ist. Das ist so nicht korrekt. Er verträgt nur wesentlich mehr davon als andere Tiere. Die Schlange hat zudem gegen einen Igel mit aufgestellten Stacheln wenig Chancen, da die Stacheln länger als ihre Zähne sind. Wenn sie den Igel aber erwischt, schwillt die Stelle an und der Igel kann daran sterben. Auch giftige Käfer sind für den Igel kein Problem. Leider funktioniert diese Wiederstandskraft nicht gegen die vom Menschen produzierten Umweltgifte.
 
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